Grundsätzlich kann man zwischen beruflichen und privaten Reden unterscheiden.
Bei beruflichen Reden richten Sie sich entweder in Ihrer Funktion an Ihre Mitarbeiter und Kollegen, oder Sie repräsentieren Ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit.
Jedes Unternehmen hat Ziele. Es ist Ihre Aufgabe, Mitarbeiter und Kollegen zum Erreichen dieser Ziele zu motivieren. Unternehmensinterne Reden sind daher immer Motivationsreden. In der Öffentlichkeit wird das Publikum Sie automatisch mit dem gesamten Unternehmen identifizieren – auch wenn Sie nur eine Abteilung leiten. Es liegt also in Ihrer Hand, Ihr Unternehmen bestmöglich zu vertreten. Nehmen Sie dies als Chance wahr, und bereiten Sie sich sorgfältig vor. Wenn Sie bei einem öffentlichen Auftritt eine gute Figur machen, kann Sie das beruflich weiterbringen. Seien Sie sich aber auch der „Fallhöhe“ bewusst – mancher hat sich schon um Kopf und Kragen geredet.
Diese Gefahr besteht bei privaten Reden nur selten. Doch auch hier wird auf Ihre Worte Wert gelegt – machen Sie das Beste draus. Seien Sie persönlich – herzlich, emotional, fröhlich, witzig. Nehmen Sie sich selbst ein wenig auf die Schippe, das kommt immer gut an. Auch wenn Sie Ihren Chef, den Herrn Stadtrat und „ferne Bekannte“ eingeladen haben: es ist Ihre Party. Die meisten Gäste sind Ihre Freunde und Verwandten – seien Sie also so wie Sie sind, ganz „privat“.
Berufliche Reden
Bilanzrede
Ob vor 20 Mitarbeitern oder der versammelten Weltpresse – die Bilanzrede ist ein Klassiker. Gemeinhin hält sie der Unternehmenschef auf der Bilanzpressekonferenz und/oder der Aktionärsversammlung. Bilanzen haben die Eigenschaft, voller Zahlen zu stecken. Überfordern Sie Ihr Publikum nicht, es ist nur begrenzt aufnahmefähig. Beschränken Sie sich auf die wichtigsten Zahlen, verweisen Sie zu Details auf den Geschäftsbericht. Machen Sie aus einer drögen Rückschau eine spannende Vorschau. Zeigen Sie Perspektiven, Projekte und Marktchancen auf.
Sachrede, Fachvortrag
Viele meinen, ein Fachvortrag zeichne sich allein durch Zahlen, Daten und Fakten aus. Durch wissenschaftliche Erkenntnisse. Nun gut: Wenn Sie sich im universitären Umfeld bewegen und/oder Ihr Publikum ausschließlich aus Experten besteht, mag das zutreffen. Doch auch dann gilt: Ein Vortrag ist immer ein Auftritt. Inhaltlich kann er niemals das leisten, was ein Skript oder ein Fachbuch vermag. So komplex das Thema auch ist, versuchen Sie, es kompakt, anschaulich und unterhaltsam zu vermitteln.
Betriebsversammlung
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die Stimmung auf Betriebsversammlungen nicht die Beste. Betriebsräte machen sich gerne Luft und prangern tatsächliche oder vermeintliche Defizite in der Unternehmensführung an.
Als Vertreter der Unternehmensführung sind Sie auf Betriebsversammlungen immer „Gastredner“. Lassen Sie sich von Angriffen nicht provozieren. Gestehen Sie Fehler ehrlich ein. Zeigen Sie Emotionen. Beweisen Sie, dass Sie die Perspektive der Mitarbeiter verstehen. Betonen Sie Gemeinsamkeiten, appellieren Sie an den Gemeinschaftssinn. Erinnern Sie an Erfolge in der Vergangenheit. Zeigen Sie mögliche Erfolge in der Zukunft auf. Motivieren Sie.
Pressekonferenz, Statement
Eine Pressekonferenz bietet große Chancen, birgt aber auch Risiken. Manche Journalisten würden für eine gute Story ihre Großmutter verkaufen. Und diese „gute“ Story kann alles andere als gut für Sie und Ihr Unternehmen sein. Überlegen Sie sich vorab genau, ob Sie wirklich eine Neuigkeit zu verkünden haben, die eine Pressekonferenz rechtfertigt. Ansonsten wird die Resonanz verhalten sein. Und die Journalisten werden nach Themen suchen, die Sie nicht auf der Agenda haben (wollen). Der Umgang mit den Medien will gelernt sein. Auch und gerade für ein kurzes Statement, das in zwei Sätzen Ihre Kernbotschaft auf den Punkt bringt. Machen Sie ein Medientraining und bereiten sich mit einem Q&A („Questions and Answers“, Katalog von Fragen und Antworten) gut vor. Falls Ihr Unternehmen keine Kommunikationsabteilung hat, lassen Sie sich von externen PR-Profis beraten.
Laudatio
Sie möchten einen Preisträger würdigen oder eine Abteilung für ihre Leistung loben? Dann verbreiten Sie gute Stimmung, denn es ist ein freudiger Anlass! Vermeiden Sie lange fachliche Begründungen und die gesamten Lebensläufe der Laudanden (der „zu Lobenden“). Nach zehn Minuten sollte in der Regel Schluss sein. Seien Sie nett, charmant, witzig. Loben und danken Sie, aber werden Sie nicht überschwänglich. Denn andere würden bestimmt auch gern mal von Ihnen gelobt werden…
Auch die Geburtstagsrede, die Jubiläumsrede und die Verabschiedungsrede sind nichts anderes als Laudationes (Lobreden). Manche Führungskräfte greifen dabei gerne zu Musterreden – ein Unding! Die Person, der Sie zum runden Geburtstag oder zur 25-jährigen Betriebszugehörigkeit gratulieren oder die Sie in den Ruhestand verabschieden, ist einzigartig und hat eine individuelle Rede verdient. Bei derartigen Anlässen sind Emotionen im Spiel, hier ist Einfühlungsvermögen gefragt. Würdigen Sie die Leistungen und menschlichen Qualitäten des Laudanden. Sparen Sie Defizite oder negative Ereignisse aus. Reduzieren Sie fachliche Aspekte auf ein Minimum. Erzählen Sie nette Anekdoten und gemeinsame Erlebnisse. Seien Sie herzlich – man wird es Ihnen danken.
Antrittsrede
Die Bedeutung der Antrittsrede sollten Sie keinesfalls unterschätzen, wenn Sie als neue Führungskraft Wert auf ein gutes Miteinander mit Ihren Kollegen und Mitarbeitern legen. Alle sind gespannt auf „den Neuen“, der erste Eindruck zählt. Sie sind der Grünschnabel, während Ihre Mitarbeiter den Laden bestens kennen. Darum ist in Ihrer Rede Understatement meist die richtige Strategie. Zeigen Sie Respekt, auch gegenüber Ihrem Vorgänger. Signalisieren Sie, dass Sie bereit sind, viel dazuzulernen. Werben Sie um Vertrauen. Bieten Sie persönliche Gespräche an, um sich kennenzulernen. Versuchen Sie gegebenenfalls, die mit Ihrem Antritt verbundenen Ängste der Mitarbeiter abzubauen.
Abschiedsrede
Sie verlassen das Unternehmen, um woanders einen besseren Job anzutreten? Halten Sie eine kurze, freundliche Rede und bedanken sich für die schöne gemeinsame Zeit. Sie gehen in den Ruhestand? Bedanken Sie sich bei allen, die Ihnen wichtig sind. Blicken Sie zurück und greifen ein „Highlight“ aus Ihrer Karriere heraus. Aber halten Sie sich ebenfalls kurz - denn es ist an anderen, Sie zu würdigen. Sie gehen im Groll, etwa weil Ihnen gekündigt wurde? Ersparen Sie es sich und anderen, in Ihrer Abschiedsrede mit irgendjemandem „abzurechnen“. Dann lassen Sie es lieber ganz. Denken Sie daran: Man sieht sich immer zweimal.
Eröffnungsrede
Eine neue Filiale oder ein Anbau wird eröffnet. Das ist ein Grund zum Feiern! Legen Sie in Ihrer Rede nochmals kurz die Gründe für die Eröffnung dar (z.B. Expansion des Unternehmens), nennen Vorteile für das Unternehmen (z.B. neue Marktchancen, mehr Platz) und für die Gesellschaft (z.B. Schaffung neuer Arbeitsplätze, besserer Service für den Kunden). Danken Sie allen Beteiligten, die die Eröffnung möglich gemacht haben. Vorsicht: Bloß keinen vergessen!
Jubiläumsrede
Je nachdem, wie „rund“ das Jubiläum Ihres Unternehmens ist, gewinnt Ihre Rede an Bedeutung. Wenn Sie Geschäftsführer eines traditionsreichen Unternehmens sind, das zum Beispiel 100-jähriges Bestehen feiert, ist das eine tolle Werbemöglichkeit. Laden Sie alle ein, die in Ihrer Region Rang und Namen haben – natürlich auch Journalisten. Machen Sie die Jubiläumsfeier zur Jubelfeier, sorgen Sie für ein rauschendes Fest. Ihre Rede ist einer der Höhepunkte der Party, bereiten Sie sich entsprechend vor. Blicken Sie zurück auf die Anfänge des Unternehmens. Produzieren Sie Bilder im Kopf Ihrer Zuhörer, machen Sie die Vergangenheit erlebbar. Picken Sie aber nur einige Highlights und Anekdoten aus der Unternehmensgeschichte heraus, die wirklich unterhaltsam sind. Denn Sie wollen vor allem unterhalten und gute Laune verbreiten. Würdigen Sie die Leistungen des Gründers, Ihrer Vorgänger und aller Mitarbeiter. Klopfen Sie sich nicht zu sehr selbst auf die Schultern. Ziehen Sie (eine möglichst positive) Bilanz und blicken Sie (möglichst optimistisch) in die Zukunft. Stoßen Sie auf die nächsten 100 Jahre an – Prost!
Präsentation (siehe eigene Rubrik)
Private Reden
Festrede
Sie feiern eine Party? Werden Sie in Ihrer kurzen (!) Rede die zentrale Botschaft los: Sie freuen sich, dass Ihre Gäste gekommen sind. Greifen Sie einige wenige Gäste heraus, die z.B. einen besonders weiten Weg zurückgelegt haben. Falls es einen besonderen Anlass gibt, begründen Sie ihn (ebenfalls kurz, denn die Anwesenden wissen ja, weshalb sie gekommen sind). Öffnen Sie die Geschenke später, bedanken Sie sich allgemein für „die vielen tollen Geschenke“. Es sei denn, eine Gruppe überreicht Ihnen feierlich ein Gemeinschaftsgeschenk – dann müssen Sie es auch in Ihrer Rede loben. Wünschen Sie allen viel Spaß und guten Appetit.
Hochzeitsrede
Sie sind Braut/Bräutigam, Brautvater, Trauzeuge, Patenonkel oder ein alter Freund? Dann liegt es nahe, dass Sie bei der Hochzeit eine Rede halten. Sie gehören nicht zu diesem Kreis, würden aber gerne etwas sagen? Dann fragen Sie das Paar vorher, ob das auch wirklich erwünscht ist. Denn manche Hochzeit artet in einen Redemarathon aus – gut gemeint, aber langweilig. Wenn Sie reden, halten Sie sich kurz – maximal zehn Minuten. Seien Sie nett und voller positiver Botschaften. Eine Hochzeit ist ein „Fest der Liebe“. Schlagworte wie „Ehekrach“ oder „Scheidung“ sind tabu. Ebenso Anekdoten aus dem vergangenen Liebesleben der Brautleute: „Erinnert Ihr Euch, als Birgit noch mit Dieter zusammen war…“ Gefährlich ist auch das Thema „künftiger Nachwuchs“, das darf nur das Paar selbst anschneiden.
Geburtstagsrede
Ein Verwandter oder guter Freund feiert runden Geburtstag und Sie möchten ein paar Worte sagen? Tun Sie es, aber belassen Sie es wirklich bei ein paar Worten. Stehlen Sie dem Geburtstagskind nicht die Show. Erzählen Sie ein gemeinsames Erlebnis, das seine positiven Charaktereigenschaften hervorhebt. Vorsicht mit Ironie und „peinlichen Geschichten“: Auch wenn der Jubilar normalerweise Spaß versteht, vor Publikum sieht das oft anders aus.
Taufrede
Sie sind Taufpate? Reden Sie! Zeigen Sie Ihre Freude über den „neuen Erdenbürger“. Gratulieren Sie den Eltern und Großeltern. Falls Sie selbst Kinder haben, erzählen Sie kurz Ihre eigenen (positiven) Erfahrungen. Bedanken Sie sich bei den Eltern für das Vertrauen, das sie Ihnen durch die Patenschaft entgegenbringen. Betonen Sie Ihre Verantwortung, die Sie gerne wahrnehmen. Weitere Themen können zum Beispiel „Geborgenheit“, „Erziehung“, „Werte“ oder auch religiöse Aspekte sein. Toasten Sie auf die glückliche Zukunft des Kindes.
Trauerrede
Eine Bestattung ist natürlich der unschönste Redeanlass. Sie sollten vorab prüfen, ob eine Rede angemessen und erwünscht ist. Wenn ja: Fühlen Sie sich dieser Herausforderung gewachsen? Es könnte sein, dass die Emotionen Sie während Ihrer Rede übermannen. Andererseits kann eine gute Trauerrede ein würdevoller Abschied sein und Trost spenden. Zeigen Sie Ihre Fassungslosigkeit. Betonen Sie den schweren Verlust. Finden Sie Worte der Anteilnahme. Verdeutlichen Sie, dass der geliebte Mensch in Ihnen weiterlebt. Gehen Sie evtl. kurz auf die Todesumstände ein. Würdigen Sie die verstorbene Person: ihre positiven Charaktereigenschaften und Merkmale, die sie auszeichneten. Hatte der Verstorbene eine bestimmte Einstellung zum Tod? Wenn ja, können Sie diese reflektieren.
Erinnern Sie an gemeinsame Erlebnisse. Sagen Sie, wie Sie die verstorbene Person im Gedächtnis behalten werden. Richten Sie Dankesworte an den Verstorbenen. Suchen Sie nach einem passenden Zitat oder Gedicht, möglichst von einem Autor, den der Verstorbene besonders mochte.